„Ein bisschen Glück liegt im Schatten des Vesuvs“, sangen schon Roy Bianco und die Abbrunzati Boys - denn an seinem Fuße erstreckt sich die Metropolstadt Neapel. Und die ist mehr als Pizza und Touristenpfade. Natürlich darf bei einem Aufenthalt in Neapel eine Wanderung rund um den Vesuv nicht fehlen – doch die „Stadt in Blau“, wie sie wegen der Farben des Fußballclubs SSC Neapel genannt wird, steckt voller Überraschungen. Zwischen engen Gassen, versteckten Plätzen und lebendigen Vierteln warten außergewöhnliche Erlebnisse, die eine Reise nach Neapel einzigartig machen. Kostenlose Aussichtspunkte bieten atemberaubende Blicke über die Bucht, stille Ecken erzählen längst vergangene Geschichten und lokale Genuss‑Orte lassen das echte neapolitanische Leben spüren. So zeigt sich das lebendige Herz Süditaliens von einer ganz neuen Seite.
Castel Sant’Elmo
Auf dem Hügel Vomero überragt die Festung Castel Sant’Elmo die Stadt und bietet einen weiten Blick über das chaotische Gewusel Neapels bis zum Vesuv und den vorgelagerten Inseln. Über steile Wege oder mit der Seilbahn erreichbar, gilt der Ort als einer der schönsten Aussichtspunkte über die Stadt.
Quartieri Spagnoli
Die engen Gassen des spanischen Viertels Quartieri Spagnoli sind voller Leben und Farben. Hier zeigt sich das echte Neapel‑Alltag, und zwischen Wäscheleinen und Street‑Art findet sich ein Schrein sowie ein Wandgemälde zu Ehren von Diego Armando Maradona – ein farbenfrohes Denkmal für die neapolitanische Fußballlegende.
Rione Sanità
Zwischen bunten Fassaden, Street-Art und einem quirligen Straßenmarkt verbergen sich im lebendigen Viertel Rione Sanità zahlreiche Kulturschätze – darunter die berühmten Katakomben von San Gennaro, barocke Kirchen und historische Palazzi. Das authentische Viertel am Fuß des Capodimonte-Hügels zeigt Neapel von seiner ursprünglichen, volkstümlichen Seite.
Cimitero delle Fontanelle
Unter dem Rione Sanità erstreckt sich der Cimitero delle Fontanelle, ein ungewöhnlicher Friedhof aus Schädeln und Knochen, der im 16. Jahrhundert entstand. Heute erzählt der Ort von früheren Zeiten und lokalen Ritualen rund um Tod und Erinnerung.
Katakomben von San Gaudioso
Unter der Basilika Santa Maria della Sanità liegen die etwas weniger bekannten Katakomben von San Gaudioso – eine der ungewöhnlichsten Begräbnisstätten Neapels. Neben frühchristlichen Gräbern stammen viele Darstellungen aus dem 17. Jahrhundert: Schädel wurden in die Wände eingelassen und mit gemalten Körpern ergänzt – eine eigenwillige Verbindung aus Kunst, Glaube und Erinnerungskultur.
Cappella Sansevero
Mitten im Zentrum verbirgt sich die kleine Cappella Sansevero, ein barockes Kunstjuwel. Berühmt ist sie vor allem für die Marmorskulptur „Cristo Velato“, deren scheinbar transparenter Schleier aus einem einzigen Marmorblock gemeißelt wurde und bis heute Bewunderung auslöst.
Gesù Nuovo
Die Kirche Gesù Nuovo fällt sofort durch ihre ungewöhnliche Fassade aus diamantförmigen Steinquadern auf. Einer Theorie zufolge sollen die eingemeißelten Zeichen der Steine eine verborgene Botschaft oder sogar eine musikalische Notation enthalten – ein architektonisches Rätsel mitten im Herzen Neapels.
Galleria Borbonica
Die Galleria Borbonica ist ein unterirdisches Tunnelsystem aus dem 19. Jahrhundert, das ursprünglich als geheimer Fluchtweg für König Ferdinand II. geplant wurde. Während des Zweiten Weltkriegs diente es als Luftschutzbunker – heute lassen sich hier Relikte aus dieser Zeit entdecken.
U‑Bahn‑Station Toledo
Die U‑Bahn‑Station Toledo gilt als eine der schönsten Europas: Eine riesige Kunstinstallation mit Licht‑ und Wasserelementen lässt die Fahrt mit der Rolltreppe über mehrere Ebenen wie das Eintauchen in eine Unterwasserwelt erscheinen – ein überraschender und kreativer Ort im Alltag der Stadt.
Inseln Capri, Ischia und Procida
Die Inseln Capri, Ischia und Procida gehören zu den schönsten Ausflugszielen im Golf von Neapel. Capri ist vor allem für die berühmte Blaue Grotte bekannt, in der das Sonnenlicht das Wasser intensiv blau schimmern lässt. Ischia wird wegen seiner üppigen Vegetation oft „grüne Insel“ genannt und ist berühmt für Thermalquellen und das eindrucksvolle Castello Aragonese. Procida gilt als ruhiger Geheimtipp mit pastellfarbenen Häusern rund um den Hafen und einer besonders entspannten Atmosphäre. Alle drei Inseln sind vom Hafen in Neapel aus mit dem Schnellboot in etwa 40 bis 60 Minuten erreichbar und eignen sich ideal für einen Tagesausflug.
Isola La Gaiola
Vor Posillipo in der Bucht von Neapel liegt die kleine Insel La Gaiola auf dessen Rücken eine dem Verfall preisgegebene Villa thront. Wohnen will dort niemand mehr, denn seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ereilten zahlreiche Ihrer Bewohner Pleiten, Unfälle oder der Tod. Lange galt sie deshalb als „isola maledetta“ – verfluchte Insel. Unerschrockene finden an Ihrem Fuße jedoch den Unterwasserpark Parco Sommerso di Gaiola, ein beliebtes Tauch- und Schnorchelgebiet mit antiken Überresten einer römischen Villenanlage samt Hafen.
Zum Abschluss lohnt sich ein Blick auf die kulinarische Seite der Stadt. Die L’Antica Pizzeria da Michele, eine der ältesten Pizzerien Neapels, serviert ihre berühmte Margherita und Marinara für wenige Euro im rustikalen Ambiente – spätestens seit ihrem Auftritt im Film Eat Pray Love allerdings kein Geheimtipp mehr. Für etwas Süßes gelten die Fiocchi di Neve aus der Pasticceria Poppella, luftige Brioche-Bällchen mit Cremefüllung, als besonderer Klassiker. Und im Café Mexico am Piazza Dante wird mit dem traditionellen caffè sospeso – einem bereits bezahlten Espresso für jemanden, der ihn später braucht – eine alte neapolitanische Geste der Großzügigkeit lebendig. So zeigt sich zum Schluss noch einmal, wie eng Genuss, Tradition und Alltag in Neapel miteinander verbunden sind.